platzregen sprach mit Priv. Doz. Dr. Holländer über Wäsche waschen mit Regenwasser
Dr. Holländer ist der Direktor des Instituts für Allgemeine Hygiene, Krankenhaushygiene und Umwelthygiene in Bremen. In zahlreichen Publikationen hat er sich mit der Frage möglicher hygienischer Nachteile bei der Nutzung von Regenwasser wissenschaftlich auseinandergesetzt.
platzregen:
Herr Dr. Holländer, Kritiker der Regenwassernutzung führen immer wieder hygienische Risiken bei der Regenwassernutzung an. Gartenbewässerung und Toilettenspülung ist aber mittlerweile von Gesundheitsfachleuten als risikolos eingestuft worden. Bei der Nutzung von Regenwasser zum Wäsche waschen dagegen gibt es immer noch Bedenken. Besteht eine Infektionsgefahr bei der Nutzung von Regenwasser?
Dr. Holländer:
In zahlreichen Untersuchungen wurde gezeigt, dass eine Belastung des Regenwassers bzw. des Zisternenwassers mit krankheitswirksamen Mikroorganismen nicht gegeben ist. Insbesondere Erreger fehlen, die zu den klassischen wasserübertragenden Seuchen führen können wie Typhus-, Cholera-, Ruhrerregern oder Erregern der Hepatitis A.
platzregen:
Aber Regenwasser, das vom Dach in den Regenspeicher abläuft, ist doch nicht keimfrei. Hat dies keine Auswirkungen auf die Wäsche?
Dr. Holländer:
Sicherlich hat das Regenwasser in den Speichern nicht die mikrobiologische Zusammensetzung wie Trinkwasser und ist von schlechterer Qualität. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Höhe der Bakterienkonzentration auf der gewaschenen Wäsche nicht von der Menge der Bakterien im Zisternenwasser abhängig ist, sondern vom Verkeimungsgrad der Wäsche insbesondere der Unterwäsche.
platzregen:
Das heißt also, mit der Wäsche gelangt der Großteil der Keime in die Waschmaschine und nicht über das Regenwasser?
Dr. Holländer:
Richtig, Wäsche des täglichen Bedarfs ist in der Regel mit hohen Konzentrationen körpereigener Mikroflora
kontaminiert. Denken Sie etwa an Windeln von Kleinkindern oder auch an andere Wäsche wie Arbeitskleidung. Was passiert dann in der Waschmaschine? Diese im Allgemeinen nicht krankmachenden Keime werden durch das Zisternenwasser ausgelöst und es entsteht eine Mischung aus Bakterien beider Ursprungsorte.
platzregen:
Die werden doch sicherlich durch die hohen Waschtemperaturen abgetötet. Aber heute waschen doch viele nur noch mit 40 Grad. Wie sieht es dann aus?
Dr. Holländer:
Durch Waschmittel und erhöhte Temperaturen wird die Bakterienzahl etwa um den Faktor 100 reduziert. Bei Temperaturen über 60 Grad um den Faktor 105 oder mehr. Bei 40 Grad sieht das anders aus. Da bleiben mehr Keime zurück. Nach dem Waschen wird die Wäsche gespült und getrocknet, vielleicht gebügelt oder gemangelt. Trockenheit ist aber für Mikroorganismen das größte Problem, die Hitze des Bügelns tötet jegliches Leben ab. So zeigt sich bereits bei getrockneter Wäsche eine deutliche Abnahme der Keimzahlen um den Faktor 100 bis 1000 und nach Bügeln/Mangeln geht die Zahl gegen Null.
Aber wissen Sie, bei der Regenwassernutzung wird seit langem fleißig kritisiert. Ist Ihnen denn bekannt, was für eine Konzentration von Keimen im Fleischsalat erlaubt sind ? Oder haben Sie schon mal ein gefrorenes Hähnchen in der Küche ausgepackt?
platzregen
Ich denke, die Lebensmittelvorschriften sind hier doch wesentlich strenger, obwohl bei den momentanen "Gammelfleischmeldungen" Zweifel aufkommen.
Dr. Holländer:
Die Gesetze und Vorschriften sind sicherlich ausreichend. Es kommt vor allem auf die Anzahl und Qualität der Kontrollen an.
Also ich will es Ihnen genau sagen. Im Fleischsalat dürfen erheblich mehr Keime enthalten sein, bis zu 1 Mio pro Gramm und das Hähnchen enthält mit einiger Gewissheit pathogene Bakterien, die ein wesentlich höheres Risiko darstellen, als bei Wäsche waschen mit Regenwasser, wenn man da überhaupt von Risiko sprechen kann.
Platzregen:
Zusammenfassend würden Sie sagen, dass kein gesundheitliches Risiko beim Wäsche waschen mit Regenwasser besteht?
Dr. Holländer:
Unter der Voraussetzung, die Regenwassernutzungsanlage ist nach dem Stand der Technik gemäß DIN 1989 gebaut und wird auch so betrieben, ist ein Risiko für den Nutzer auszuschließen.
platzregen:
Herr Dr. Holländer wir danken Ihnen für das Interview.

|